Informationen über Kinderwunschbehandlungen in Zeiten des Covid 19

 

Sehr geehrte Patientin,

sehr geehrte Paare

 

Wie ja allgemein bekannt ist, durchleben wir gerade die Zeit des Covid-19 Virus, wobei festzuhalten ist, dass Österreich diese Krise überdurchschnittlich gut gemeistert hat. Durch die hohe Disziplin ist es gelungen, die Infektionen und die Krankenhausaufenthalte stark zurückzudrängen. Gleichzeitig bedeutet der bisher erfolgreiche Kampf, dass in Österreich ein geringer Anteil der Bevölkerung die Krankheit durchgemacht hat und dadurch immun geworden ist. Viele Experten gehen davon aus, dass uns das Virus in kleinem oder größerem Ausmaß noch Jahre beschäftigen wird.

 

Bei der Gesamtschau auf alle Faktoren haben die österreichischen Gesellschaften für Reproduktionsmedizin daher festgehalten, dass es sinnvoll ist, mit Anfang Mai 2020 wieder alle Möglichkeiten der Kinderwunschbehandlungen zuzulassen.

 

Um ein Wiederaufflammen der Infektion zu vermeiden, ist es jedoch auch bei uns nötig, die schon allgemein bekannten Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten.

Diese sind:

Händedesinfektion beim Eingang

Mundschutz

Abstand halten

zu Kontrolluntersuchungen möglichst alleine kommen

eventuell die Möglichkeit einer Kryokonservierung des Embryos überlegen

bei Möglichkeit telefonischen Kontakt

Wir freuen uns daher auf Ihren Anruf und auf Ihren Besuch.

Schwangerschaft und Empfängnis

Es gibt keine eindeutigen Beweise für negative Auswirkungen der Covid-19-Infektion auf Schwangerschaften, insbesondere auf solche in frühen Stadien, wie die neuesten Aktualisierungen der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in den USA und andere in Europa zeigen(1,2).

Es gibt einige wenige berichtete Fälle von Frauen, die positiv für Covid-19 waren und gesunde, von der Krankheit freie Säuglinge zur Welt brachten.(3) Es gab Berichte über nachteilige neonatale Ergebnisse (vorzeitiger Membranbruch, Frühgeburt) bei Säuglingen, die von Müttern geboren wurden, die während ihrer Schwangerschaft positiv für Covid-19 waren, aber die Berichte basierten auf begrenzten Daten.(4) In ähnlicher Weise wurde ein Fallbericht über ein infiziertes Kind veröffentlicht, aber auch hier gab es keine eindeutigen Beweise dafür, dass dies das Ergebnis einer vertikalen Übertragung war.(5)

Diese Daten sind zwar ermutigend, berichten aber nur über geringe Zahlen und müssen mit Vorsicht interpretiert werden. Sie beziehen sich auf Schwangerschaften im Endstadium, aber wir haben keine Informationen über die möglichen Auswirkungen einer Covid-19-Infektion auf Schwangerschaften im Anfangsstadium(6).

Angesichts der oben genannten Überlegungen und der mütterlichen und neonatalen Ergebnisse, die bei anderen Coronavirusinfektionen (wie SARS) gemeldet wurden, empfiehlt die ESHRE jedoch weiterhin einen vorsorglichen Ansatz(7). Es ist auch wichtig, darauf hinzuweisen, dass einige der medizinischen Behandlungen, die schwer infizierten Patienten verabreicht werden, auf den Einsatz von Medikamenten hinweisen können, die bei schwangeren Frauen kontraindiziert sind.

 

ESHRE rät ferner, dass schwangere Patientinnen oder solche (Männer und Frauen), die eine Fruchtbarkeitsbehandlung planen oder sich einer solchen unterziehen, Reisen in bekannte Infektionsgebiete und den Kontakt mit potenziell infizierten Personen vermeiden sollten.

ESHRE wird die wissenschaftliche Literatur, insbesondere in Bezug auf Schwangerschaft, weiterhin beobachten.

 

  1. https://www.cdc.gov/coronavirus/2019-ncov/prepare/pregnancy-breastfeeding.html?CDC_AA_refVal=https://www.cdc.gov/coronavirus/2019-ncov/specific-groups/pregnancy-faq.html
  2. https://www.rcog.org.uk/globalassets/documents/guidelines/coronavirus-covid-19-infection-in-pregnancy-v2-20-03-13.pdf
  3. Chen H, Guo J, Wang C, et al. Klinische Merkmale und intrauterines vertikales Übertragungspotential der COVID-19-Infektion bei neun schwangeren Frauen: eine retrospektive Überprüfung der medizinischen Unterlagen. Lanzette 2020; doi.org/10.1016/S0140-6736(20)30360-3
  4. Liu Y, Chen H, Tang K, Guo Y. Klinische Manifestationen und Ausgang der SARS-CoV-2-Infektion während der Schwangerschaft. J Infektion 2020; doi.org/10.1016/j.jinf.2020.02.028
  5. Wang X, Zhou Z, Zhang J, et al. Ein Fall des 2019 neuartigen Coronavirus bei einer schwangeren Frau mit Frühgeburt. Klinische Infektionskrankheiten 2020; doi.org/10.1093/cid/ciaa200
  6. Liang H, Acharya G. Neuartige Koronavirus-Krankheit (COVID-19) in der Schwangerschaft: Welche klinischen Empfehlungen sind zu befolgen? AOGS 2020; doi.org/10.1111/aogs.13836

Schwartz DA, Graham AL. Potentielle und mütterliche Säuglingsergebnisse von Coronavirus 2019-nCoV (SARS-CV2), die schwangere Frauen infizieren: Lehren aus SARS, MERS und anderen Coronavirus-Infektionen. Viren 2020; doi.org/10.3390/v1202019